Klassische/Philosophische Literatur

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Klassische/Philosophische Literatur

Beitrag von Andy2600 am 19.08.10 15:12

Der Mathematik-Thread und meine derzeitige Stimmung haben mich dazu verleitet, einen Thread über klassische Literatur zu eröffnen. Ich hoffe jeder weiß, wovon ich hier spreche. Die Definition ist schwierig, aber man kann sagen, dass klassische Literatur, sich auf geistige Ideale besinnt und sich auf die Antike mit ihren Philosophen und Schriftstellern bezieht. Klassische Werke gelten als geistige Höchstformen der Analyse und Reflektion.

Ich war schon immer ein sehr nachdenklicher Mensch. Aber nicht im Sinne von Zahlen oder Rätseln, sondern habe sehr viel über die Welt und Weltanschauungen nachgedacht. Das erste mal mit klassischer Literatur kam ich im Alter von 16 in Berührung, als ich mehrere Bücher Marx, Engels und allg. Sozialismus las. Es entwickelte sich eine Liebe zu Büchern, die zur Zeit leider etwas abgeklungen ist, aber trotzdem noch in mir drin ist.
Der Grund dafür ist, dass mich das erfahren von philosophischen Ideen und ihre Einbindung in Literatur in gewisser Weise freier macht. Frei von Angst und festen Denkweisen.

Ich stelle jetzt einfach mal meine Top 4 klassischer/philosophischer Werke/Autoren ein, die ich sehr liebe, mit meinen einer kurzen Beschreibung und meiner Beweggründe:

4. Kritik der reinen Vernunft (Immanuel Kant)

Ein Buch über die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Wie erkennt der Mensch seinee Umwelt und erkennt er sie wirklich.
Mit 17 war das ein faszinierendes Werk für mich. Es behauptet, dass der Mensch zur Erkenntnis fähig und damit autonom ist. Die Religion wird von ihrem Thron gestürzt. Sapere Aude - Habe Mut dich deines Verstandes zu bedienen Smile

3. Johann Wolfgang von Goethe

Wer etwas über deutsche Literatur erfahren will, komm an Goethe nicht vorbei. Er hat die deutsche Sprache auf ein Niveau gehoben, die wir bis heute spüren und leben. Er stellt Menschen in den Mittelpunkt seiner Werke, keine Götter, die Natur oder das Schicksal.
Sein sprachlicher Glanz, seine Fähigkeit zur sinnlichen Beschreibung haben mich sehr beeindruckt. Es ist noch jetzt ein Genuss ihn zu lesen.

2. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Marcel Proust)

Ein sehr sehr großer Gesellschaftsroman, über die Beschreibung und Entwicklung von Chrakteren und das sich verlieren darin. Proust durchdringt die Charaktere mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen und versucht damit rauszufinden wer sie wirklich sind.
Für den ganzen Roman habe ich ca. ein halbes Jahr gebraucht. Trotz der oftmaligen Langatmigkeit, schaffte er es bei mir eine Freude an der Enträstelung von Menschen zu bekommen. Wieviel zusammenspielt, dass ein Mensch so wird wie er ist. Und wie leicht es ist, sich in einem anderen Menschen zu verlieren.

1. Friedrich Hölderlin

Ein unverstandener Dichter. Er baute Wortschlösser und versuchte mit ihnen zu etwas höhrem aufzusteigen. Er ist daran zu Grunde gegangen.
Mein absoluter Lieblingsdichter und vielleicht gerade deswegen, weil man sich an seinen Worten "abarbeiten" muss. Dort ist soviel zu entdecken!
Hier mal einen kleinen Vorgeschmack:


Als kleines Fazit möchte ich euch sagen: habt keine Angst! Viele Leute haben die Befürchtung damit nichts anfangen zu können. Man kann auch damit nichts anfangen, man kann sie nur an sich heranlassen! Das ist der Grund, warum mich klassische Literatur so interessiert: sie geht mich an!

Was habt ihr für eine Erfahrung klassischer /philosophischer Literatur?

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Re: Klassische/Philosophische Literatur

Beitrag von Aran Jäger der II. am 19.08.10 15:42

Ein toller Thread :'-)

Ich lese ja hauptsächlich Psychologie aber das erwähne ich hier auch einfach mal.

Besonders empfehlen kann ich:
"Wie wirklich ist die Wirklichkeit" von PAul Watzlawick

Als ich 16 war habe ich auch viele Bücher über Anarchie gelesen, was mir besonders im Gedächtnis haften geblieben ist ist
"Was ist eigentlich Anarchie? – Einführung in Theorie und Geschichte des Anarchismus" von Horst Stowasser(Leider schon gestorben) Auch wenn man nicht Anhänger seiner Theorien ist ist das Buch einen Blick wert.

An klassischer Literatur mochte ich vor allem "Eine Weihnachtsgeschichte" auch wenn diese etwas kitschig manchmal ist so gefällt sie mir doch.

Ich lese viel über Theologie dazu gehört natürlich "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins(zu agressiv, auch vertritt er zu stark seine eigenen Biologischen Theorien). Vor allem KArl Heinz-Deschner hat es mir angetan der immer kritisch und fundiert seine Kritik an der Kirche übt die alles verdreht wie es ihr gerade passt. Aber ich lese natürlich auch pro-christliche Texte wie der "Atheismus Wahn" von McGrath (Schlecht kann ich nicht empfehlen.)

Mit Kafka zum Beispiel bin ich nie warm geworden. Ich finde seine Gedankenkonstrukte an sich ganz nett und die philosophischen Gedanken die sich daraus ergeben, Spaß an seinen Büchern hatte ich allerdings nie. Ähnlich geht es mir mit Dostojewski.

Auch bin ich Fan von Orwell und Aldous Huxley. Auch wenn Orwell mit "Farm der Tiere" eher nur die Geschichte mit Tieren statt Menschen wiederholt hat, hat mir das Buch doch sehr gut gefallen weil es einen das Thema aus einer anderen Sicht näher bringt. Die Utopien die beide entwickelt haben sind so ziemlich besten Utopie Geschichten die es gibt und bringen einen sehr dazu zu phllosophieren. Besonders gut gefällt mir "Eiland" von Aldous Huxley.

Trotz seiner rassistischen Meinung und seine echt seltsamen Leben ist H.P. Lovecraft auch einer der besten Horrorliteraten die es gibt, da er "Den Schrecken der Hinter der Tür lauert" perfektioniert hat. Poe hat bei mir nie dafür gesorgt das ich mich in die Geschichte komplett hineinversetzen konnte da Poe eher zum NAchdenken über den Schrecken anregt. H.P. Lovecrafts Geschichten sind einfach von sich aus schon "schrecklich" Wink

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Re: Klassische/Philosophische Literatur

Beitrag von Shorty am 19.08.10 17:42

@Aran Jäger: Ich habe gerade keine Zeit für einen ausführlichen Beitrag, wie dieses Thema ihn verdient, will aber trotzdem vorweg zu deinem letzten Absatz anfügen, dass ich zwar auch Poe- und Lovecraft-Fan bin, mich aber die Geschichten vom guten H.P. mehr faszinieren als irgendein anderer Text, den ich bisher gelesen habe. (Da kommt nichtmal Kant ran.) Ich habe hier inzwischen einen guten Haufen Bücher mit verschiedensten Zusammenstellungen seiner Kurzgeschichten liegen und kriege nie genug davon. (Mal im Ernst, was soll das eigentlich? Die Verlage kriegen es nicht hin, die Bücher so herauszubringen, dass man einfach jede Geschichte ein mal hat. Manche Storys habe ich - Englisch und Deutsch zusammengerechnet - bestimmt 7 oder 8 mal.) Auf jeden Fall mag ich besonders, dass seine Kurzgeschichten nicht nur gruselig sind, sondern auch dem menschlichen Geist tief auf den Grund gehen, (Bei 90% seiner Werke lautet das Stichwort Dissonanz) aber das zeichnet wohl ein Psychopathen wie ihn auch aus. Einfach episch, ich bekomme schon wieder Lust zum Lesen. Wenn ich noch einen Tipp geben sollte, würde ich als meine Lieblingsgeschichte wohl am ehesten (das auch zurecht sehr bekannte) The Shadow Over Innsmouth.

Oh Mann, jetzt habe ich doch schon wieder viel mehr als geplant geschrieben. Naja, die nächsten Tage folgen auf jeden Fall noch ein paar Beiträge über Isaac Asimov, Edgar Allen Poe, Kant und einige Staatsphilosophen, die mich ziemlich beschäftigt haben.

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Re: Klassische/Philosophische Literatur

Beitrag von Aran Jäger der II. am 19.08.10 21:02

Ich sage ja gar nicht das Lovecraft nicht genau wusste was er schreiben muss um seinen Leser zu schokieren. Psychisch war und ist er vermutlich der besten Horror Autor überhaupt. Filme mit seinen Büchern machen knn man zwar schon jedoch würden diese NIEMALS das Original erreichen. Poe beschäftigt sich eher mit den menschlichen ängsten (lebendig begraben und so) und ist deswegen philosophisch auch einen Tick besser (Wie zum Beispiel in "Das verräterische Herz" und "Rabe Nimmermehr"). Aber Lovecraft ist meiner Meinung nach der beste Horrorliterat überhaupt

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Re: Klassische/Philosophische Literatur

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